Lokalisierung:
So erreichen Sie die ganze Schweiz

Simbabwe hat 16 Amtssprachen – die Schweiz gerade einmal drei. Tönt nach einem «Klacks»? Nicht für erfolgreiches Marketing oder gelingende Unternehmenskommunikation. Denn wer hier «nur» übersetzt, verfehlt schnell sein Ziel. Nutzen Sie stattdessen die «Lokalisierung».

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Der Denkfehler: ein Text, drei/vier Sprachen

Die Schweiz gilt oft als «einfacher» mehrsprachiger Markt: drei Amtssprachen  (resp. vier Landessprachen), ein Land und kurze Wege. Entsprechend wird Lokalisierung meist erst dann zum Thema, wenn Unternehmen ins Ausland expandieren. Dabei beginnt Lokalisierung bereits hier – innerhalb der Landesgrenzen. Denn drei oder vier Sprachen sind nicht einfach drei oder vier Versionen desselben Textes, sondern sie spiegeln verschiedene Kulturen und sehr unterschiedliche Erwartungshaltungen an Tonalität, Stil und Wirkung wider. Nur wer diese aufgreift, erreicht sein Ziel.

Misserfolg vorprogrammiert: korrekt übersetzt, aber wirkungslos

In vielen Unternehmen sind die mehrsprachigen Inhalte sprachlich korrekt, vollständig und professionell übersetzt. Aber dann zeigt sich: Die Kommunikation «funktioniert» trotzdem nicht wie erhofft. Ein Unternehmen aus Zürich, das schweizweit tätig ist, beobachtet zum Beispiel:

  • Die französischsprachige Website konvertiert deutlich schlechter als die deutsche.
  • Kampagnen funktionieren nur in einem Landesteil.
  • Das Sales-Team nutzt fast ausschliesslich die deutschen Unterlagen.
  • Stellenanzeigen bringen kaum Bewerbungen aus der Romandie.

Zurück bleibt oft diffuse Ratlosigkeit: «Warum zieht das hier, aber dort einfach nicht?» Der Grund ist, dass sich die Übersetzungen (inklusive der Bildwelt) für die Zielgruppe nicht stimmig anfühlen. Damit kommuniziert man am Markt vorbei, die Resonanz bleibt hinter den Erwartungen zurück. Lokalisierung verhindert genau das.

Die Lösung: Lokalisierung in der Praxis

Lokalisierung ist kein zusätzlicher Übersetzungsschritt am Ende des Prozesses, sondern eine bewusste Anpassung der Herangehensweise. Das Ziel ist nicht, in jeder Sprache exakt dasselbe zu sagen, sondern mit derselben Botschaft dieselbe Wirkung zu erzielen (z. B. Conversion-Rate). Entscheidend dafür ist es, zunächst den Zielmarkt zu verstehen.

Grundsätzlich lässt sich sagen:

  • Was in der Deutschschweiz sachlich und effizient wirkt,
  • kommt in der Romandie oft zu nüchtern an,
  • und erscheint im Tessin zu kühl und distanziert.

Unternehmen, die solche Unterschiede in ihrer Kommunikation berücksichtigen, erhöhen ihre Erfolgschancen im Markt. Wie gehen Sie weiter vor? Definieren Sie «Leitplanken» für die mehrsprachige Kommunikation:

  • Legen Sie fest, wie Ihre Marke in der Deutschschweiz, der Romandie und im Tessin klingen soll. Stellschrauben sind: sachlich oder emotional? Direkt oder eher zurückhaltend? Nüchtern oder beziehungsorientiert? Solche Infos gehören auch in die Briefings für Text- und Übersetzungsprofis.
  • Prüfen Sie Bildwelt und Farben je Region. Auch Bilder und Farben wirken nicht überall gleich. Was in der Deutschschweiz reduziert und funktional überzeugt, darf in der Romandie atmosphärischer und persönlicher sein. Im Tessin wirken warme Farben und emotionale Motive oft überzeugender.

So geht’s: Sprache arbeitet für Sie

Neben grossen «Leitplanken» sind es die Details, die über den Erfolg Ihrer Kommunikation entscheiden. Sprache bietet hier ein enormes Potenzial – vorausgesetzt, sie wird bewusst eingesetzt. Dafür braucht es Fingerspitzengefühl und muttersprachliches Know-how. Das zeigt sich bereits an einem einfachen Beispiel:

Die deutsche Wendung «kein Hexenwerk» transportiert Lockerheit und Machbarkeit. Wörtlich übersetzt verliert sie diese Wirkung – oder wirkt schlicht seltsam. Gemeint ist zwar dasselbe, angekommen ist etwas anderes. Genau solche Feinheiten entscheiden darüber, ob Inhalte wirken oder verpuffen. Besonders aufmerksam sollten Sie deshalb sein bei:

  • Redewendungen und sprachlichen Bildern, die sich nicht wirkungsgleich übersetzen lassen,
  • Humor und Ironie, die stark kulturabhängig sind,
  • Claims, Slogans und prägnanten Aussagen, bei denen jedes Wort zählt.

In unserer Checkliste finden Sie eine kompakte Übersicht dieser und weiterer Aspekte, die bei lokalisierter Kommunikation in der Schweiz den Unterschied machen.

Übrigens, auch Dialekt erfordert lokales Sprachwissen: Einige Unternehmen in der Schweiz setzen bewusst auf Schweizerdeutsch, z. B. in Werbekampagnen. Das birgt Potenzial, denn Dialekt kann Nähe schaffen, Wortspiele ermöglichen und Markenwerte, wie z. B. Bodenständigkeit oder lokale Verankerung, transportieren. Doch Achtung, auch hier ist Lokalisierung gefragt. Das gilt bereits für die Ansprache. Ein «Grüezi» etwa fällt in Luzern nicht weiter auf, kommt aber in Biel nicht unbedingt gut an. Echte Sprachprofis agieren hier ebenfalls mit lokalem Fingerspitzengefühl.

Fazit: Lokalisierung als strategischer Vorteil

Es lohnt sich, die mehrsprachige Kommunikation nicht dem Zufall zu überlassen, sondern sie bewusst zu steuern. Unternehmen, die ihre Botschaften lokal anpassen, schaffen Nähe, stärken ihre Marke und erzielen Wirkung – schweizweit. Und mehr noch: Die Schweiz wird damit zum Testlabor für Internationalisierung. Wer hier die Lokalisierung beherrscht, legt auch den Grundstein für erfolgreiche internationale Kommunikation.

Checkliste: Lokalisierung für die Schweiz

Unsere Checkliste fasst die zentralen Prinzipien der Lokalisierung in der Schweiz zusammen – und zeigt Ihnen, worauf es in der Praxis wirklich ankommt.

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Nadia Gaille
Head of Apostroph Switzerland
Apostroph Team Nadia Gaille

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