Gendergerechte Sprache – geht es nur um Frau und Mann? Nein!

Das Thema gendergerechte Sprache ist aktuell. Und es ist brisant, wie das grosse Interesse an unserem Beitrag Gendern für Unternehmen zeigte. Heute zeigen wir Ihnen eine weitere Perspektive des Themas. Jene zweier Menschen, die sich in den Kategorien Frau oder Mann nicht repräsentiert sehen.

Gendergerechte Sprache

Die meisten Menschen identifizieren sich ein Leben lang mit dem Geschlecht in ihrer Geburtsurkunde. Für manche Menschen ist das nicht so. Non-binäre Menschen beispielsweise identifizieren sich nicht oder nur teilweise mit einem der beiden binären Geschlechter «weiblich» oder «männlich». So wie Joan (19). Franziska wiederum war die ersten drei Jahrzehnte ihres Lebens «der Andreas». Heute ist sie, was sie gefühlt schon immer war: eine lesbische trans* Frau. Wir haben die beiden gefragt, wie sie zum Thema gendergerechte Sprache stehen und wie Sprache ihrer Identität gerecht werden kann.

Joan
19 Jahre alt, Gymnasiast und sportbegeistert. Lieblingssport: Handball. Geschlecht: non-binär (they/er). Hier erfahren Sie mehr über das non-binäre Geschlecht.

Franziska
Sie ist trans* Frau und bezeichnet sich als Frau, Vater und Schreiberling. Franziska lädt interessierte Leser:innen ein, auf ihrem Blog mehr über sie zu erfahren.

 

Wie empfinden Sie als non-binäre respektive Transgender-Person die Diskussion zur Gendersprache?

Joan: Ich finde es gut, dass die Diskussion geführt wird. Es muss etwas geschehen. Wir sollten es schaffen, dass unsere Anliegen ernst genommen werden. Ich wünsche mir, dass sich vielleicht auch Nichtbetroffene für die Anerkennung unserer Rechte einsetzen.

Franziska: Ich empfinde es als richtig und manchmal auch nötig. Ich begrüsse die Diskussion, beteilige mich aber nicht sehr aktiv daran. Leider wird sie von Befürworter:innen und Gegner:innen oft zu wenig objektiv, dafür unnötig emotional geführt.

Fühlen Sie sich angesprochen durch die Gendervarianten wie Stern, Doppelpunkt, Unterstrich etc.?

Joan: Ja, am ehesten vom Genderstern, die anderen Varianten sind ja auch seltener sichtbar.

Franziska: Ja. Am liebsten mag ich den Doppelpunkt, der ist sichtbar, aber optisch nicht zu dominant. Implizit ist mir klar, dass beim generischen Maskulin die weibliche Form eingeschlossen ist, etwa in meinem Arbeitsvertrag, wo es «der Arbeitnehmer» heisst. Aber subjektiv, gefühlsmässig, empfinde ich die gendergerechte Ausdrucksweise angenehmer. Vielleicht weil die Autor:innen mir zu verstehen geben, dass sie auch mich meinen.

Diskutieren wir als Menschen im klar definierten Geschlechterschema über etwas, dass bei Ihnen vielleicht gar kein Thema ist?

Franziska: Ich denke, das Thema gendergerechte Sprache betrifft alle Menschen. Ich sehe, dass manche die Gendersprache einfach aus Gewohnheit nicht anwenden und sich dessen gar nicht bewusst sind. Anderen ist es eigentlich egal, aber sie schreiben dennoch gendergerecht. Wieder andere würden sich gendergerechte Sprache wünschen, nehmen es aber gelassen hin, wenn es nicht praktiziert wird. Zu dieser Gruppe gehöre ich. Selten erlebe ich, dass es energisch eingefordert wird, aber öfters, dass man darüber spottet oder sich echauffiert.

Wann immer ich gendergerechte Sprache angewendet sehe, entsteht bei mir das gute Gefühl, dass jemand Diversity anerkennt. Für mich zählt weniger der Aspekt der Gerechtigkeit, eher das Gefühl der Anerkennung.

Joan: Ich erlebe, dass wenn Nichtbetroffene darüber diskutieren, oft wenig Wissen über die Non-Binär-Thematik da ist. Aber ich begrüsse es, dass betroffene wie nichtbetroffene Personen darüber sprechen. 

Welche Begriffe und Wörter finden Sie gut? Welche stören Sie?

Franziska: Ich finde Gendersprache gut, wenn man sie gegenüber Personen anwendet, die man direkt anspricht. Dogmatismus wie das generische Feminin («Ab heute sagen wir an unserer Uni nur noch Professorinnen, auch bei Männern») finde ich falsch.

In offiziellen und öffentlichen Texten begrüsse ich die Genderzeichen. Wo dies auf keinen Fall eingesetzt werden darf, sind Fiktion und Geschichten! Ich möchte beim Lesen einer spannenden Story nicht plötzlich das Gefühl haben, eine technische Beschreibung zu lesen. Ich schreibe ja selber und habe für meine fiktiven Texte und Geschichten eine gendergerechte Form gefunden, die den Lesefluss nicht stört. 

Joan: Ich finde bei Texten das «mensch», anstelle von beispielsweise er/sie, sehr gut und leicht umsetzbar. Stören tut mich eigentlich nichts, ausser dass es noch kein offizielles Neopronomen im Deutschen gibt, wie they/them im Englischen.

Was wünschen Sie sich von der Sprache?

Joan: Ich würde mir in erster Linie wünschen, dass die Schreibweisen mit *, :, _ vermehrt angewendet würden, zum Beispiel auf Websites, in Zeitungen oder auch bei der Aussprache im Radio. Nur so können sich alle Menschen wohl und angesprochen fühlen. Das würde auch Personen ermutigen, die sich noch nicht geoutet haben, aber sich als non-binary identifiziert haben. 

Franziska: Das Bedürfnis nach einer gendergerechten Sprache haben nicht-geschlechtsnormative Personen in gleicher Weise wie Frauen – da sehe ich keinen Unterschied. Ich wünsche mir, dass gendergerechte Sprache mehr angewendet wird, um zu zeigen, dass man die Gleichberechtigung aller mitdenkt, wenn auch nur implizit.

Ich wünsche mir aber, dass man gelassen damit umgeht und nicht gleich ein Riesenfass aufmacht, wenn es mal nicht gelebt wird. Im Leben der Regenbogen-Community gibt es grössere Baustellen als die Sprache.

 

Anmerkung der Redaktion: Entgegen der üblichen Art und Weise, wie wir bei der Apostroph Group sonst gendern, haben wir es heute einmal mit dem Doppelpunkt : versucht.

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Larissa Stalder
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