SEO in der Praxis für Texterinnen und Übersetzer

In unserem letzten Blog-Artikel zum Thema SEO habt ihr einiges über die Grundlagen der Search Engine Optimization erfahren. In der Fortsetzung geht es nun um die praktische Umsetzung: Wie kann ein SEO-Auftrag an eine Linguistin oder einen Linguisten aussehen? Wie genau gehen wir vor und welche Werkzeuge stehen uns zur Verfügung? Ein vertiefender Überblick.

Auch wenn Englisch als Weltsprache gilt, sprechen es doch nur 30 Prozent der Web-Nutzenden als Muttersprache. Unternehmen, die mehr als eine regionale Kundschaft ansprechen wollen, sind daher auf eine mehrsprachige Website angewiesen – und damit auch auf eine mehrsprachige SEO. Die Nachfrage nach SEO-optimierten Sprachdienstleistungen wächst schnell.

Website-Lokalisierung und mehrsprachige SEO gehören eigentlich zusammen. Leider werden Websites oft immer noch so übersetzt, dass man die Ausgangstexte in ein Word- oder Excel-Dokument kopiert und die Übersetzung wie bei jeder anderen Textart in einem CAT-Tool ausführt. So entstehen ohne Zweifel wunderschöne mehrsprachige Websites. Ohne die marktspezifischen Keywords wecken sie jedoch nur wenig Interesse, weil sie kaum auf einer SERP (Search Engine Results Page) auftauchen.

Keywords lokalisieren

Immer mehr Kundinnen und Kunden sind sich jedoch der SEO-Problematik bewusst und lassen zusätzlich zu den Website-Texten auch die entsprechenden Keywords lokalisieren. Ein solcher Auftrag könnte zum Beispiel so aussehen:

Excel-Tabelle mit Keywords

Die englischen Keywords werden hier für den Schweizer Markt auf Deutsch lokalisiert. Die Spalte «SV» enthält jeweils einen statistischen Wert: das Suchvolumen, also die Anzahl monatlicher Google-Suchen nach diesem Keyword.

Der erste Schritt ist nun eine wörtliche Übersetzung der Keywords ins Deutsche. Um das Suchvolumen der übersetzten Keywords zu ermitteln, verwenden wir das kostenlose Tool Keyword Surfer, eine Browser-Erweiterung, die das Suchvolumen direkt im Google-Suchfeld einblendet:

Google-Suche

Damit testen wir die übersetzten Keywords für den Schweizer Markt (die geografische Einschränkung lässt sich in der Erweiterung auswählen) und ermitteln ihre Suchvolumina:

Excel-Tabelle mit Keywords

Als nächstes versuchen wir, ähnliche Keywords mit einem höheren Suchvolumen zu finden. Zur Information für die Kundin nehmen wir ausserdem eine Rückübersetzung vor:

Excel-Tabelle mit Keywords

Falls ihr Ideen für alternative Keywords braucht, stehen euch diverse Tools zur Verfügung, die euch inspirieren können. Das einfachste ist die Google-Suche selbst: Gebt euer Keyword mal ein und schaut, welche Vorschläge erscheinen!

Google-Suche

Ihr könnt aber auch zum Google Keyword-Planer greifen. Dazu müsst ihr euch allerdings mit einem Google-Konto einloggen, ein Google-Ads-Konto einrichten und ein Zahlungsmittel hinterlegen. (Aber keine Angst: Solange man keine Werbekampagne erstellt und auslöst, wird nichts verrechnet.) Hier kann man Keywords testen und bekommt Ideen geliefert:

Google Ads Keyword-Plan

Der Keyword-Planer gibt das Suchvolumen leider nur in recht grossen Bandbreiten an. Das Analyse-Tool von Semrush liefert da deutlich mehr Daten, ist aber nach Ablauf der 7-tägigen Testphase in der kostenlosen Version auf wenige Abfragen pro Tag beschränkt:

Keyword Overview

Relevanz und Wettbewerb

Bei der Suche nach guten Keywords ist nicht allein das Suchvolumen entscheidend. Zwei weitere Kriterien müssen ebenfalls berücksichtigt werden: die Relevanz eines Keywords für den Inhalt der Website und der Wettbewerb (Keyword Difficulty), also die Schwierigkeit, mit einem bestimmten Keyword in die vordersten Ränge der SERP vorzudringen. Die lukrativsten Keywords treffen genau die richtige Balance zwischen Suchvolumen, Wettbewerb und Relevanz. Um dies zu erreichen, investieren die meisten Unternehmen in längere, spezifischere Keywords, Long-Tail-Keywords genannt.

Long-Tail Keywords

Obschon die meisten Long-Tail-Keywords ein niedriges Suchvolumen aufweisen, sind sie einem geringeren Wettbewerb ausgesetzt als Short-Tail-Keywords, das heisst, weniger Websites versuchen mit denselben Keywords Suchende anzulocken. Zudem wird die Conversion Rate – die Anzahl Käufe im Verhältnis zur Besucherzahl – tendenziell höher sein, da spezifischere Suchbegriffe eine höhere Relevanz aufweisen und die Suchenden, die sie verwenden, wohl schon recht genau wissen, was sie wollen.

Wohin mit den Keywords? 

Habt ihr die Keywords für eine Seite erst einmal definiert, stellt sich die Frage, wie ihr sie am besten strategisch platziert. Darüber, welche Wirkung die Keywords an den verschiedenen Stellen tatsächlich entfalten und wie sie von den Suchmaschinen wahrgenommen und bewertet werden, herrscht auch heute noch ein gewisses Mass an Uneinigkeit. Um sicherzugehen, berücksichtigt ihr am besten die nachfolgend aufgeführten Stellen.

Meta Title und Meta Description

Hier werden kurze Texte hinterlegt, die in den Suchergebnissen im bzw. unter dem Link erscheinen. Sie haben einen grossen Einfluss darauf, ob die Suchenden auf ein bestimmtes Suchresultat klicken: Sie sind sozusagen das Eingangstor oder das Firmenschild einer Website und sollten daher auf «Passantinnen» und «Passanten» möglichst attraktiv wirken. Auf der Website selbst sind Metatexte jedoch nicht sichtbar.

→ Mehr zur Optimierung von Metadaten
→ Tool zur Vorschau auf Title und Description in Suchresultaten

Titel einer Website
Im sichtbaren Haupttitel einer Seite können Keywords platziert werden, zum Beispiel ein Produktname, eine Produktkategorie oder der Titel eines Blog-Artikels. Wichtig: Der Seitentitel sollte den Suchenden genau mitteilen, was sie auf der Seite finden, und sie zum Weiterlesen animieren.

Seiteninhalt
Der Text einer Seite sollte alle gewählten Keywords enthalten. Längere Texte gliedert ihr am besten mit aussagekräftigen Untertiteln. Das hilft nicht nur den Besucherinnen und Besuchern, sondern wird auch von den Suchmaschinen honoriert. Bilder und Grafiken können die Seite ebenfalls gliedern und lockern sie optisch auf. Visuelle Elemente lassen sich mit einer unsichtbaren Bildbeschreibung, dem so genannten Alt-Text, hinterlegen. Dieser Text hilft sehbehinderten Menschen, die einen Screenreader verwenden, beeinflusst aber auch das Ranking von Google.

Hot Tip

Ihr seht: SEO-Optimierung ist eine Wissenschaft für sich, und man könnte alle angesprochenen Themen noch beliebig weiter vertiefen. Falls wir euer Interesse geweckt haben und ihr euch weiter mit dem Thema befassen wollt: TAGS Language Solutions bietet Online-Kurse (in Englisch) speziell für Freelance-Übersetzerinnen und -übersetzer an. Wer sich mit seiner E-Mail-Adresse registriert, erhält Zugriff auf einige kostenlose Beispiellektionen. So findet ihr schnell heraus, ob die Kurse euren Bedürfnissen entsprechen. Viel Spass!

Weitere nützliche Links

Fandet ihr diesen Artikel interessant? Habt ihr selbst schon Erfahrungen mit SEO gemacht? Schreibt uns auf freelance@apostrophgroup.ch.

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