15.06.2018

Mensch mit Maschine

Google kann mittlerweile fast alles übersetzen. In manchen Fällen lohnt es sich trotzdem noch, den Übersetzer dem Algorithmus vorzuziehen – auch in Zukunft.

Unsere Standortleiterin in Zürich, Patricia Kamer (Bild), durfte kürzlich einen Artikel für die Werbewoche schreiben. Diesen möchten wir Ihnen hier ebenfalls zugänglich machen:

Mittlerweile hat wohl fast jeder schon eines genutzt: Google Translate, DeepL oder ein anderes der marktführenden maschinellen Übersetzungstools. Nur mal kurz verstehen, was hinter den schönen chinesischen oder russischen Schriftzeichen steht oder was die französischen Kollegen im E-Mail genau geschrieben haben. Kurz oder schnell sind hier die entscheidenden Kriterien der Wahl – neben dem Fakt, dass die Dienste oft kostenlos sind.

Das Gegenstück zu diesem Service heisst Transcreation. Der Begriff kommt aus der Werbebranche. Früher nannte man so die Übersetzung von Werbeclaims. Gefordert wird seit jeher neben dem Können punkto «Translate» eine gehörige Portion Kreativität bei der «Creation». Hier lösen sich Übersetzer komplett vom Text. Sie erschaffen eine Botschaft, die beim Empfänger in der Kultur des Zielpublikums die gleichen Emotionen auslösen soll wie das Original in der Herkunftskultur. Heute nutzt man den Begriff auch oft, wenn jemand eine möglichst flüssige Übersetzung benötigt.

Übersetzer, Agenturen und Sprachdienstleister finden sich zwischen diesen beiden unterschiedlichen Schlagwörtern und befassen sich mit Fragen wie: Werden Humanübersetzer bald überflüssig aufgrund der bahnbrechenden Verbesserungen im Bereich der maschinellen Übersetzung? Heute gibt es die neuronale Machine-Translation-Technologie, die Sätze mithilfe künstlicher Intelligenz übersetzt. Ausserdem spricht man von Adaptive Machine Translation Tools, die vom Menschen lernen, wie man richtig übersetzt. Die Resultate des eingangs erwähnten DeepL-Übersetzungstools können auch den kritischsten Linguisten ganz schön nachdenklich stimmen.

Werden Übersetzer überflüssig?

Aber übersetzen denn die neuen maschinellen Tools wirklich richtig und gut? Wann lohnt es sich noch, auf menschliche Fähigkeiten zurückzugreifen? Beantworten wird das wohl der Zweck: Wofür die Übersetzung benötigt wird, entscheidet über das Vorgehen. Vereinfacht zusammengefasst: Wer einfach nur wissen möchte, was ein fremdsprachiger Text bedeutet, ist mit maschinellen Übersetzungstools gut beraten. Wenn ein Text komplex formatiert ist, helfen Übersetzungsagenturen. Wünscht man sich einen stilsicheren Text, dem man nicht anmerkt, dass es sich um eine Übersetzung handelt, sollte ein Fachübersetzer eingesetzt werden. Wenn ein Text vertraulich ist, rechtliche Aspekte oder etymologische Fragen eine Rolle spielen, sind muttersprachliche Fachübersetzer, die auf dem entsprechenden Gebiet spezialisiert sind, die richtige Wahl. Auch in puncto Datensicherheit ist man bei Übersetzungsagenturen besser aufgehoben, als wenn der Text online selbst übersetzt wird.

Machine Translation und Transcreation

Geht es um das einfache Wiedergeben von Texten in einer anderen Sprache, wird die maschinelle Übersetzung den Humanübersetzern in den nächsten Jahren den Rang ablaufen. Wenn ein Text aber für das Zielpublikum neu erschaffen werden muss, eine lokale Färbung oder spezielle Terminologie aufweist und eine besondere Wirkung beim Leser hervorrufen soll, stösst die Maschine an ihre Grenzen. Vielleicht werden wir eines Tages nicht mehr von «übersetzen» sprechen, sondern von maschineller Übersetzung versus Transcreation. Immerhin weiss man dann am Schluss, was man erwarten darf.

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